Vorweg…

Montag, 30.06.2014

Nachdem ich glücklicherweise eine Praktikumsstelle fand, die alles versprach, was ich mir vorstellte (ich werde an der Arts University Bournemouth, kurz AUB, im Verwaltungsbereich arbeiten) und es auch in letzter Sekunde mit der Unterkunft geklappt hat, konnte der Flug gebucht werden und das Abenteuer England beginnen.

Alles Organisatorische war geschafft und endlich blieb mir ein wenig Zeit mich mit der Region und Bournemouth zu beschäftigen…

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Bournemouth, wie spricht man das eigentlich aus?

Hier bitte ich nun alle Phonetiker und Leute die Spaß an phonetischer Transkription haben, dieses Kästchen zu überspringen, den meine Transkription und Erklärung ist sicher mehr als mangelhaft. Aber ich versuche es trotzdem…

Die richtige Aussprache ist: [ˈbɔːnməθ]

Und da man damit auch nicht viel mehr anfangen kann, folgt hier nun eine kurze, sehr vereinfachte Erklärung. Also der Name beginnt mit einem ganz normalen [b], welches jedoch den Silbenkern bildet, wie das deutsche beten, gefolgt von einem lang ausgesprochenen offenen [o], wie in roh, danach ein deutsches [n], wie nass und ein [m] wie in Milch, im Anschluss ein unbetontes deutsches [e], wie Falle und am Ende ein stimmloser [th-Laut] oder auch Lispel-Laut, wie der Anfang des englischen Wortes thief.

Und jetzt dürft ihr selber mal probieren…

Bournemouth ist eine Stadt an der Südküste Englands mit ca. 190.000 Einwohnern. Das Seebad liegt in der Meeresbucht Poole Bay und hat einen sehr langen sauberen Sandstrand. Durch das milde Klima zählt der Küstenabschnitt zu den wärmsten, trockensten und sonnigsten in ganz England.

 

Anreise...

Dienstag, 01.07.2014

Nach einer kurzen Nacht, brach ich gegen 5 Uhr zum Flughafen Tegel auf. Da ich noch nie in einem Flugzeug saß, war ich bezüglich des Ablaufes vor dem Flug etwas unsicher und wollte rechtzeitig da sein. Das Einchecken verlief jedoch rasch und vollkommen unkompliziert. Gegen 7:30 Uhr hob das Flugzeug ab und landete pünktlich eine Stunde später, britischer Zeit, bei strahlendem Sonnenschein in London. Das Auschecken und die Gepäckannahme gingen ebenso schnell wie das Einchecken vonstatten. Das Schöne dabei war, dass bei kurzer Orientierungslosigkeit auch hier das Prinzip, der Masse aus dem eigenen Flieger zu folgen, einwandfrei aufging.

Nun hatte mein Zeitplan an dieser Stelle zu gut funktioniert. So blieben mir noch 4,5 Stunden bis zur Abfahrt mit dem Bus nach Bournemouth. Und da ich so viel Zeit hatte, besorgte ich erst einmal Geld. Es gibt in England überall kostenfreie Geldautomaten. Man muss nur aufpassen, dass die eigene Bank keine Gebühren für das Abheben im Ausland erhebt.

Auch das Geldabheben gelang ohne weitere Probleme. Jetzt hatte ich Zeit und Bargeld. Also ließ ich mich noch beim Kauf einer neuen SIM-Karte über den Tisch ziehen…

           

Sich über den Tisch ziehen lassen…

Diese Redewendung geht auf das bayrische Fingerhakeln zurück. Dabei versuchen zwei Kontrahenten, die sich am Tisch gegenüber sitzen, nur mit dem eingehakten Mittelfinger über den Tisch zu ziehen. Der über den Tisch Gezogene ist dabei der Verlierer.

SIM-Karten sind eigentlich überall problemlos erhältlich, sogar mit guten Konditionen für ca. £20 am Automaten. Man sollte daher nicht gleich in’s erstbeste Geschäft rennen und sich dort eine Karte aufschwatzen lassen, schon gar nicht am Flughafen, so wie ich.

Irgendwann waren dann auch die 4,5 Stunden um und ich konnte im Bus Platz nehmen. Pünktlich rasten wir los und ich durfte in den nächsten 45 Minuten den Flughafen mit all seinen Terminals von jeder Seite bestaunen. Ich glaube, ich war noch nie mit so einer Geschwindigkeit in einem Omnibus unterwegs.

Gegen späten Nachmittag traf ich in Bournemouth ein, wo mich auch schon die nächste Herausforderung erwartete: Der öffentliche Nahverkehr.

Mein kleines Taschenwörterbuch versprach mir in England ein gut ausgebautes Netz öffentlicher Verkehrsmittel. Das stimmt mit Sicherheit, nur wollte es sich mir anhand des Busplans leider nicht erschließen...

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In Bournemouth verkehren zwei große, private Busunternehmen, die „Yellow Buses“ und die „Blue Buses“. Alle fahren in Bournemouth, aber beide Unternehmen fahren nicht überall. Es gibt Stadtteile, die mehr von den gelben und andere, die mehr von den blauen Bussen angefahren werden. Und die Linien, auf denen die blauen und die gelben unterwegs sind, sind noch komplizierter. Da beide Unternehmen ihre Haltestellen anders nennen, kann ein und dieselbe Bushaltestelle mehrere Namen haben. Zudem findet man auf den Plänen nicht alle Haltestellen, sondern nur Haupthaltestellen.

Die Struktur und Gepflogenheiten des britischen Nahverkehrs in Bournemouth wirkten auf mich anfangs etwas komisch. Aus diesem Grund führe ich hiermit die „Kategorie kurios“ ein. Dabei erkläre ich euch immer etwas, was mir als Deutschen irgendwie anders vorkommt, was neu, interessant oder einfach nur lustig ist...

          

Kategorie kurios…

Es kann vorkommen, dass ihr in England an einer Haltestelle steht und schon in der Ferne den Bus seht, mit dem ihr fahren wollt. Der Bus kommt näher, ihr macht euch bereit, lächelt freundlich und der Bus fährt eiskalt vorbei, ohne euch mitzunehmen… Dass der Busfahrer euch nicht mitgenommen hat, liegt aber nicht daran, dass der Bus voll ist oder der Busfahrer keine Lust hatte, es liegt tatsächlich an euch! In England ist es nämlich üblich dem Busfahrer mit einem Handzeichen zu signalisieren, dass ihr genau mit diesem Bus mitfahren wollt. Habt ihr einen Bus erwischt, bekommt ihr die Fahrkarte in der Regel direkt beim Fahrer. Die Fahrer sind meistens sehr freundlich und nehmen sich Zeit, wenn man mal eine Frage hat. Beim Aussteigen bedankt man sich dann beim Fahrer mit einem “Thank you”.

Letztendlich fand ich doch einen Bus, der mich zu meinem Ziel bringen würde. Dieser Bus fuhr im Stadtverkehr allerdings gefühlt noch schneller als der Bus zuvor.

Da hier in den Bussen oft keine Haltestellen angezeigt werden, musste ich an irgendeiner Haltestelle aussteigen, von der ich mir einen kurzen Fußweg zu meiner Unterkunft versprach. Ich sah wohl etwas verloren aus, als auch schon der nächste Bus neben mir hielt, der Busfahrer mich anlächelte und freundlich fragte, ob ich wüsste, wo ich sei und wo ich gerne hin möchte. Ich erklärte es so gut ich konnte und er bestätigte mir, dass ich auf dem richtigen Weg war und fuhr weiter. An dieser Stelle hat sich auch die neue SIM-Karte zum ersten Mal rentiert. Mein Handy zeigte mir noch 1,5 km Fußweg bis zum Ziel.

Gegen 19 Uhr kam ich in meinem neuen Zuhause an und wurde sehr herzlich von der Vermieterin empfangen. Sie zeigte mir mein Zimmer und den Rest des Hauses.

Kurz darauf zog ich mich zurück, war einfach glücklich angekommen zu sein und gönnte mir eine Menge Schlaf.

 

Der zweite Tag...

Mittwoch, 02.07.2014

Da mein Praktikum erst morgen beginnt, bin ich heute wieder mit dem Bus in's Stadtzentrum gefahren, um ein wenig die Umgebung zu erkunden und den Strand zu besichtigen. Mit dem Bus sind es ungefähr 20 - 30 Minuten in die Stadt und zum Strand dann nochmal ca. 3 Minuten zu Fuß. Der Strand ist wirklich schön und erstreckt sich soweit das Auge reicht. Ein ‚Must-Have‘ zum Mittag sind Fish & Chips. Dicke Pommes mit Salz und Essig sind im ersten Moment etwas gewöhnungsbedürftig, werden aber mit jedem Bissen leckerer. Am Abend saßen meine Vermieterin und ich noch ein wenig zusammen und sie erklärte mir den einfachsten und kürzesten Weg zur AUB. Das heißt für mich, einmal abbiegen und dann immer gerade aus. Sie selbst arbeitet ebenfalls an der Universität als Leiterin der Kunstgalerie.

 

Der erste Arbeitstag…

Donnerstag, 03.07.2014

Wie abgemacht meldete ich mich an der Rezeption der AUB und wurde dort sehr freundlich empfangen. Kurz darauf kam meine Chefin, begrüßte mich, zeigte mir meine neue Arbeitsstelle und stellte mich allen Mitarbeitern vor. Unter den Mitarbeitern sind auch zwei weitere Deutsche, die ebenfalls ein Auslandspraktikum absolvieren. Alle sind total nett und haben mich sehr herzlich empfangen. Mein schlechtes Englisch war dabei gar kein Problem. Die neuen Kollegen sind sehr rücksichtsvoll und sprechen extra langsamer bzw. wiederholen bestimmte Passagen, wenn ich irgendetwas nicht richtig verstanden habe. Allerdings hilft es auch extrem, dass noch andere Deutsche hier sind, die mir hin und wieder beim Übersetzen helfen.

Nach einer kurzen Führung über das Universitätsgelände lernte ich die Aufgaben des Bereiches kennen, in dem ich arbeite. An der Universität werden in den Semesterferien Weiterbildungskurse angeboten. Diese Kurse umfassen neben Englisch-Sprachkursen auch Architektur, Mode, Fotografie oder Film und noch viele andere künstlerisch geprägte Bereiche. Wir organisieren und betreuen die Kurse und kümmern uns um alle Belange der Studenten.

Der erste Arbeitstag war sehr schön, aber auch anstrengend. An das permanente Englisch muss man sich erst einmal gewöhnen. Die anderen Praktikanten erzählten mir, dass ihnen die fremde Sprache anfangs ebenfalls viel Konzentration abverlangte, es jedoch schon nach kurzer Zeit einfacher wurde.

 

Ein Squirrel kommt selten alleine...

Samstag, 05.07.2014

Viel ist heute eigentlich nicht passiert, aber ich machte die niedlichste Bekanntschaft seit langem. Es war ein sehr enspannter Tag, ich kaufte etwas ein, schlenderte durch die Stadt, sah mir den wundervollen Park an und dort traf ich sie dann... Auf meinem Weg begrüßten mich tatsächlich ein paar Eichhörnchen! Nein, falsch, es handelte sich nicht um Eichhörnchen, sondern um die amerikanischen Grauhörnchen, diese sind, wie der Name schon verrät, nicht rot, sondern grau. Außerdem sind sie ein ganzes Stück größer, aber mindestens genau so niedlich, wie Ihre einheimischen Verwandten...

     

Das Grauhörnchen...

Das große amerikanische Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) verbreitet sich in Großbritannien, Irland und Italien rasend, nachdem es Ende des 19. Jahrhunderts von Reisenden dort ausgesiedelt wurde. Es hat außer dem Menschen keine natürlichen Feinde, ist ein Allesfresser, fühlt sich sogar in Parks und Vorgärten wohl und ist wesentlich dreister, als unser einheimisches Eichhörnchen (Sciurus vulgaris). Da es zudem größer und robuster ist, als unsere roten Eichhörnchen, verdrängt es die Roten massiv. Bereits 1930 wurden die Grauhörnchen in England und Irland zur Plage erklärt. Die rasche Ausbreitung wird durch einen Erreger begünstigt, der umgangssprachlich als “Eichhörnchen-Pocken” bezeichnet wird. Dieser Virus wurde von den resistenten Grauhörnchen eingeschleppt. Unsere Eichhörnchen sind dagegen jedoch nicht resistent und sterben, sobald sie angesteckt wurden. Schon in wenigen Jahren könnten sich die Grauen auch aus Richtung Italien in Deutschland ausbreiten. Seit 2006 werden die Grauhörnchen sogar in England gejagt und stehen in manchen Restaurants auf der Speisekarte.

Im Gegensatz zu den uns bekannten Eichhörnchen huschten diese jedoch nicht scheu über die Bäume, sondern setzten sich ganz selbstverständlich auf mein Knie, fraßen aus der Hand und kletterten auf den Passanten rum.

 

Sonntag in der AUB...

Sonntag, 06.07.2014

Heute ist sowohl Wochenende als auch Anreisetag für die neuen Studenten der Sommerkurse an der AUB. Und damit begann für mich auch die Arbeit mit den Studenten. Nachdem eine Kollegin und ich am Freitag alles vorbereitet und die Unterkünfte noch einmal auf Ordnung und Sauberkeit kontrolliert hatten, konnten die Neuankömmlinge nun in Empfang genommen werden. Ein anderer Kollege und ich begrüßten ab Nachmittag die Anreisenden, zeigten ihnen alles, klärten erste Fragen und führten sie zu ihren Unterkünften. Es war schön mit allen in Kontakt zu kommen und es beruhigte mich, dass die Studenten, welche aus der ganzen Welt anreisten, genauso unsicher waren, sich auf Englisch zu unterhalten, wie ich.

 

          

Kategorie kurios…

Mein Kollege und ich bestellten zum Mittag Pizza. Leider musste er kurz weg, da ein neuer Schwung Studenten kam, also war ich unsicher, ob man nun schon mit dem Essen beginnen sollte oder eher wartet und ob bzw. wie man dann einen guten Appetit wünscht...

In England ist es nicht üblich sich gegenseitig einen guten Appetit zu wünschen. Nur im Restaurant kann es vorkommen, dass die Bedienung "Enjoy!" sagt. Sobald das Essen da ist, beginnt man einfach, ohne auf den Anderen zu warten, auch wenn man gemeinsam am Tisch sitzt.

Schon eine Woche...

Freitag, 11.07.2014

Eine Woche ist nun vergangen und damit auch meine erste komplette Woche hier an der AUB. Naja gut, was heißt komplett, am Mittwoch hatte ich frei, da ich ja letzten Sonntag gearbeitet habe. Das passte aber ganz gut, denn so konnte ich Dienstagabend im Pub das grandiose WM-Halbfinal-Spiel "Deutschland gegen Brasilien" schauen, ohne auf die Uhr achten zu müssen.

      

Kategorie kurios…

"Carglass" heißt hier “Autoglass”

Brownsea Island...

Sonntag, 13.07.2014

Dies ist der zweite Sonntag für mich in England und er scheint, wie auch der Letze, nicht langweilig zu werden, denn heute steht das Finale der Fußball-WM 2014 an. Ich bin gespannt, wie es ausgehen wird…

Den gestrigen Tag nutzte ich, um mir „Brownsea Island“ anzuschauen. „Brownsea Island“ ist die größte Insel im „Pool Harbour“ und steht unter Naturschutz, da sie neben der „Isle of Man“ der letzte britische Lebensraum für rote Eichhörnchen ist. Neben dem „Brownsea Open Air Theatres“ gibt es hier ein „Scout“-Sommercamp, welches im Jahr 1907 erstmals durchgeführt wurde und als Beginn der Pfadfinderbewegung gilt. Daher begegnet man auf der zweistündigen Wanderung um die Insel auch den verschiedensten Pfadfindergruppen.

 

      

Kategorie kurios…

Während ich an der Bushaltestelle wartete, sprach mich eine fremde, ältere Dame an und hat mich darum gebeten ihren Brief zum nächsten Briefkasten zu bringen,während sie auf den Bus wartet.

Natürlich habe ich ihren Brief weggebracht und mich über ihre Offenheit und das Vertrauen gefreut.